Mecklenburgischer Adliger, der mindestens von 1419 bis 1420 eine Fehde gegen Lübeck führt.[1] Wird der Beteiligung an Überfällen auf Nowgoroder Kaufleute im Frühsommer 1420 auf der Newa beschuldigt und deshalb im September 1420 von Erich von Pommern aus Dänemark verbannt.[2]
Leben
Namensvarianten: Hinrik, Hinryck, Hinricus; Tarnevitze, Tarneuitz, Terneuitze, Ternevisse.
Lebensdaten: mindestens 1400 - 1422
Herkunft: Mecklenburg[3]
Tätigkeitsgebiet: Dänemark, Ostsee
Verwandtschaft:
Tätigkeiten
Aktivitäten als Fehdehelfer:
Tarnewitz führt im Sommer 1419 eine Fehde gegen Lübeck. Der dänische Ritter Eric Crummendijk und später Vicke von Vitzen verhandeln zwischen beiden Seiten. Lübeck bittet zunächst Crummendijk und auch Erich von Pommern von Dänemark darum, dass sie Tarnewitz von einem Angriff abhalten. Beide sichern Anfang Oktober zu, dass dieser nicht in oder aus Dänemark angreifen werde. Allerdings sei Tarnewitz gerade nicht anwesend, so dass man ihm die Bitte Lübecks nicht persönlich übermitteln könne.[4] Gleichzeitig informiert der Rat von Schleswig Lübeck, dass ein gewisser Volqwyn Hollander sich Tarnewitz anschließen wolle. Auch von Hollander befürchtet Lübeck Gefahr. Schleswig sichert aber ebenfalls zu, dass von seinem Gebiet aus kein Angriff erlaubt würde.[5] Ab März 1420 handelt dann Vicke von Vitzen mit Lübeck und Wismar einen Waffenstillstand und freies Geleit für Tarnewitz aus, damit dieser nach Lübeck zu Verhandlungen fahren kann.[6] Bevor es dazu kommt, gibt es aber Unstimmigkeiten: Anfang April beklagt sich Tarnewitz, dass Lübeck trotz zugesichertem Waffenstillstand und freiem Geleit 24 seiner Gefolgsleute gefangen genommen habe. Bei diesen wurden offenbar auch gefälschte Goldmünzen gefunden und beschlagnahmt. Tarnewitz fordert, dass die Lübecker mit den Gefangenen nicht hasten mögen und ihnen keinen Schaden zufügen, bis er sie selbst vor Gericht stelle.[7] Zum weiteren Verlauf dieser Fehde liegen keine Dokumente vor, aber am 26. August 1420 schreibt Lübeck an Nowgorod eine Entschuldigung für die Überfälle, die der ehemalige Lübecker Bürger Wyneke Gellerman auf der Newa begangen haben soll. Darin heißt es, kürzlich seien 24 Übeltäter ("boze lude") geköpft worden. Ob damit Tarnewitz' Männer gemeint sind, wird jedoch nicht angegeben.[8] Er selbst wird erst wieder am 17. September 1420 erwähnt: Erich von Pommern verbannt ihn zusammen mit Vicke von Vitzen und Wulff Lembeke aus Dänemark, zur Strafe für die Überfälle auf Nowgoroder Kaufleute.[9] Diese waren bis nach Mecklenburg verschleppt und auf Schloss Eickhof festgehalten worden, 2 Meilen von Wismar entfernt. In Wismar wurden die ihnen geraubten Waren von den Tätern verkauft.[10] Mitte März 1421 beklagt ein Bote aus Nowgorod in Reval und Riga, dass die Entführten und ihre Waren in die Hansestädte gebracht worden und noch immer dort gefangen seien. Er belegt dies mit einem Brief des dänischen Königs und droht an, dass Nowgorod sich den Schaden von den Hansestädten zurückholen werde.[11] Im Juni 1422 verkünden Rostock und Wismar in einem offenen Brief an diverse Empfänger, dass sie alle Streitigkeiten freundlich beigelegt und endgültig ausgesöhnt hätten, die sie mit den „duchtigen knapen“ Vikke van Stralendorpe zu Kriuitz, Vicke van Vitzen, Wulff Lemebeken, Hinrik Tarneuittzen, Jaspar Stralendorpe und ihren Gehilfen darum hatten, weil diese „etliken Russen gevangen hadden“. Auch die Nachkommen sollten diese Angelegenheit in zukünftigen Zeiten nicht mehr neu aufrollen.[12]
Status: Mecklenburgischer Adliger[13]
Fahrgemeinschaften: Vicke von Vitzen, Vicke Stralendorp, Jasper Stralendorp, Wulff Lembeke, Wyneke Gellerman, möglicherweise Volqwyn Hollander
Auftraggeber:
Angaben zu Schiff und Besatzung:
Sonstige Tätigkeiten:
Sonstiges
Erwähnung in:
HR 1.7: 133, 137, 175-179, 258f., 326.
LübUB 6: 119, 124, 127, 133, 187f., 190, 192f., 195, 270, 424, 812f.
Keine Erwähnung in:
HR 1.4, 1.5, 1.6
HUB 4, 5 und 6
LivUb 4 und 5
LübUB 4, 5 und 6
Quellen
Verein für hansische Geschichte (Hrsg.): Hanserecesse. Abt. 1, Die Recesse und andere Akten der Hansetage: 1256 – 1430. Leipzig: Duncker & Humblot, 1870ff.
Verein für Hansische Geschichte (Hrsg.): Hansisches Urkundenbuch. München: Duncker & Humblot, 1.975/1300(1876) - 11.1486/1500(1916).
Bunge, Georg von u.a.: Liv-, Esth- und Kurländisches Urkundenbuch. Nebst Regesten. Bd. 1-24. Reval 1853-1914.
Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde(Hrsg.): Lübeckisches Urkundenbuch. Urkundenbuch der Stadt Lübeck. Lübeck 1843ff.
Literatur
Lisch, Georg Christian Friedrich: Zur Geschichte der Vitalienbrüder, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 23, 1858, S. 146-149.
Clarus: Bartholomäus Voet, 2012, S. 99-103, 105-109.
Einzelnachweise
↑
LübUB 6: 119, 195.
↑
HR 1.7: 258f.
↑
Lisch, S. 148.
↑
LübUB 6: 119, 124.
↑
LübUB 6: 127
↑
LübUB 6: 187f. HR 1.7: 175.
↑
LübUB 6: 192f. HR 1.7: 178.
↑
HR 1.7: 137
↑
HR 1.7: 258f.
↑
Lisch, S. 147f. HR 1.7: 258f. LübUB 6: 270.
↑
LübUB 6: 812f.
↑
LübUB 6: 424.
↑
Lisch, S. 148.