Jacke Hobbe ist einer von drei englischen Hauptmännern/Kapitänen, die zwischen Ende 1378 und Anfang 1379 ein Danziger Schiff vor der englischen Südküste überfallen, dessen Kapitän töten, teilweise weiteren Besatzungsmitgliedern Schaden zufügen und sowohl Geld als auch Ware dem Schiff entwenden.

Leben

Namensvarianten: Jack Hobbe[1], Johan Hobbe[2]

Lebensdaten: um 1379[3]

Herkunft: Warwick (Wawyk[4]/Fowyke)[5]

Tätigkeitsgebiet: Schiffer[6] im Ärmelkanal (Plymark[7]/Pleymark[8]/Southhampton[9])

Verwandtschaft: Es können keine Verwandten eindeutig ausgemacht werden, es gibt allerdings unterschiedliche Personen, die den selben oder einen ähnlichen Nachnamen tragen:

Walter Hobbe: Walter Hobbe und seine Brüder aus Bristol werden von Hugo Mulards angeklagt, weil sie Waren von seinem Schiff entwendet haben und ihm Schiffgeld abgenommen wurde. Außerdem verlangt er Schadensersatz. Die Klage wird im Jahre 1284 an den englischen König weitergeleitet.[10] Auf Grund der Identität des Nachnamens und der Herkunftsstadt Bristol, die sehr Nahe der Heimat Jacke Hobbes (Warwick) liegt, kann hier eine Verwandtschaft vermutet werden.

Pfarrer Hobbe: Zwischen den Jahren 1419 und 1426 gibt es in Grimmersum einen Pfarrer der unter anderem den Namen Hobbe (sowie Hobbodus, Hobbo, Habbe) zugeschrieben bekommt. [11] Diese Verwandtschaft scheint wahrscheinlich, da der hier genannte Pfarrer bezüglich des Namens und des Zeitpunktes mit Jacke Hobbe verwandt sein könnte.

Joh. Hoppe: Im Januar 1386 erteilt der englische König Richard II. einem preußischen Schiffer namens Joh. Hoppe einen Geleitsbrief, nachdem dessen in Boston arrestiertes Schiff den Befehl zur Freilassung bekommen hat.[12] Im Juni des gleichen Jahres erteilt der englische König dem preußischer Schiffer auf Grund der Bürgschaft zweier Kaufleute aus London erneut einen Geleitbrief, der bis Weihnachten gültig ist und die Fahrt zu befreundeten Ländern erlaubt.[13] Im Juli des darauffolgenden Jahres wechselt das Schiff „Maryknyght“, welches Hoppe als Kapitän führte, den Besitzer und wird vom englischen König in Schutz genommen.[14] Da diese Person durch seine Geleitbriefe des englischen Königs und Londoner Bürgschaften eine enge Bindung zu England aufweist, weniger als 10 Jahre Distanz zum bereits genannten Vorfall aufweist und auch bezüglich des Namens große Ähnlichkeiten festzustellen sind, könnte begründet auch von einer Identität der Personen ausgegangen werden. Allerdings wird immer wieder deutlich auf seine preußische Herkunft hingewiesen, weshalb auch eine Verwandtschaft vermutet werden kann.

Bertel Hobe: Im Juli 1400 findet sich der Name des aus Kalmar stammenden Bürgers Bertel Hobe auf der Liste derer wieder, die von lübeckischen und preussischen Ausliegern gefangen genommen worden ist.[15] Bis auf die Ähnlichkeit des Nachnamens kann keine Verbindung zu Jacke Hobbe hergestellt werden.

Heinrich Hoppe: Im Juli 1299 wird die Verletzung der Handelsvorschriften durch den Kaufmann Heinrich Hoppe vor dem Mayorsgericht verhandelt.[16] Eine andere Quelle berichtet darüber, dass die Gemeinde London ihn vor dem Mayor anklagt, weil er versucht habe, Zoll zu unterschlagen, indem er die Zollfreiheit von Waren aus Deutschland durch die Beherbergung und den Handel mit fremden Kaufleuten auf deren Waren auszuweiten.[17] Bis auf die Ähnlichkeit des Nachnamens kann keine Verbindung zu Jacke Hobbe hergestellt werden.

Hugo Hoppe: Im Jahre 1391 findet sich Hugo Hoppe aus Zierixee unter Aufzeichnungen Danzigs wieder.[18] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jacke Hobbe hergestellt werden kann.

Zegher Hoppe: Zegher Hoppe ist ein Stralsunder Bürger, der im Mai 1412 als Bevollmächtigter einer Stralsunder Witwe auftaucht.[19] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jacke Hobbe hergestellt werden kann.

Rothger Hoppe: Ein Schiffer aus Hamburg, der im Juni 1404 in einer Forderung Hamburgs an England auftaucht, in welcher Hamburg gekaperte Schiffe und weggenommene Güter zurückfordert.[20] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jacke Hobbe hergestellt werden kann.

Tewes Hoppe: Ein Lübecker Kaufmann, der sich im Oktober 1415 für Lübecker Waren und Schuldforderungen in Bergen verbürgt.[21] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jacke Hobbe hergestellt werden kann.

Bernd Hoppe: Ein Danziger Bürger, dessen Name im August 1457 auftaucht.[22] Weitere Informationen lassen sich über diese Person nicht finden, weshalb auch über die Ähnlichkeit des Nachnames hinaus keine Verbindung zu Jacke Hobbe hergestellt werden kann.

Tätigkeiten

Aktivitäten als Fehdehelfer: Zu bereits benanntem Überfall gibt es mehrere Quellen, die sich zumindest im Kern einig sind: Die drei englischen Kapitäne einer Bardze/Barge Jacke Hobbe, Jon Pynnewyn und Nickel Mertin überfallen die Kogge des Danziger Schiffers Tidemann Sticker und töten ihn, fügen seinen Mitfahrern teilweise erheblichen Schaden zu und rauben Geld und weitere Güter.[23]

  • Zeitpunkt des Überfalls: Die erste Quelle des Ereignisses ist auf den 14. März 1379 datiert[24] und lässt deshalb einen Zeitpunkt Anfang des Jahres 1379 erahnen. Die letzte Quelle zu benanntem Vorfall, knapp sieben Jahre später verfasst, datiert das Ereignis circa in das Jahr 1378,[25] weshalb das Ereignis wohl zwischen Ende des Jahres 1378 und Anfang des Jahres 1379 stattfand.

  • Ort des Überfalls: Der überfallene Schiffer war von Preußen Richtung Santiago de Compostela (Sankt Jakob in Gallizien) gereist[26] und anschließend aus dem Bay of Biscay (Bay) kommend[27] Richtung Flandern[28] unterwegs, als er vor den Küsten Englands mit der englische Bardze zusammentraf.[29] Während das HUB die Herkunft der Bardze in Southhampton verortet[30], geben zwei Quellen in den HR den Ort des Überfalls vor Plymark[31] beziehungsweise Pleymark[32] an. Auf Grund der Reiseroute Tidemann Stickers und der Ortsangaben englischer Städte muss der Überfall im heutigen Ärmelkanal stattgefunden haben.

  • Vorgehen der Engländer: In zwei Quellen wird das Vorgehen der Engländer durchaus listig dargestellt: In ersterer gelangen die Engländer in Freundschaft und Frieden auf das Schiff und offenbaren erst später ihre wahren Absichten,[33] in zweiterer geben sie ebenfalls Freundschaft und Frieden vor, dringen dann allerdings unerwartet in das Schiff ein.[34] In den anderen Quellen können diese Beschreibungen einer unehrlichen Vorgehensweise nicht gefunden werden.

  • Hinzugefügter Schaden (Menschen): Bei der Beschreibung des den Schiffern der Danziger Kogge zugefügten Schadens weichen die unterschiedlichen Quellen voneinander ab. Ausschließlich die Tötung des Kapitäns Tidemann Sticker lässt sich in ausnahmslos allen Quellen finden.[35] Die erste Quelle des Überfalls schildert neben der Tötung Stickers auch die seines Mitreisenden Johan Medingh aus Lübeck und ebenfalls die Verwundung vieler Männer auf dem Schiff.[36] Die einen Monat später verfasste Quelle berichtet, dass der Kapitän als einer von dreien getötet wurde, 16 Männer schwer verletzt wurden und nur überlebten, weil ihnen andere Männer zur Hilfe kamen.[37] In der 1380 verfassten Quelle wird dargelegt, dass der Kapitän getötet wurde, fünf oder sechs Schiffer über Bord geschmissen wurden und die Besatzung geschlagen wurde.[38] Die letzte Quelle des Überfalls beschreibt, dass der Kapitän getötet und mit nur drei weiteren Männern ins Meer geworfen wurde. Außerdem habe man ihm die Finger abgetrennt, um an seine Ringe zu gelangen.[39] Obwohl die unterschiedlichen Erzählungen teilweise abweichen, wird in allen gleichermaßen deutlich, dass nicht nur dem Kapitän, sondern auch seinen Mitreisenden Schaden zugefügt wurde und die Beschreibungen zeigen auch, dass der Überfall mit großer Brutalität durchgeführt wurde.

  • Hinzugefügter Schaden (Ware): Ähnlich wie bei den Beschreibungen des den Schiffern der Danziger Kogge zugefügten Schadens unterscheiden sich die Berichte zumindest teilweise auch beim materiellen Schaden, weswegen hier einzeln der jeweils aufgeführte Schaden, beschrieben wird. In der zweiten Quelle des Überfalls wird die Wegnahme von guter Ware, von Harnischen und von Geld, drei Pfund Grote, beschrieben. Die englischen Kapitäne hätten den Schiffsmännern und Matrosen 800 flämische Schilde Schaden zugefügt, die Gesellschaft des Koggen habe 150 Pfund Grote Schaden zu verzeichnen und außerdem wäre das Schiff für 600 Schilde weniger verkauft worden, als es wert wäre.[40] Die zuvor im März 1379 verfasste Quelle berichtet ausschließlich von der Wegnahme von Harnischen und anderen Geräten, allerdings nicht von einem Verkauf der Schiffes, sondern davon, dass die Engländer das Schiff segeln ließen.[41] Auch das HUB führt aus, dass die Engländer das Schiff segeln ließen, allerdings nicht ohne zuvor das ganze Geld, die Harnische und weitere Güter des Kapitäns und seiner Schiffer zu entwenden. Die Summe des Schadens beläuft sich auf 135 lv. 6 s. 3 d.[42] In den späteren Quellen werden dann die Personen genannt, denen Schaden dadurch entstand, dass die Engländer der Kogge Güter entwendeten: Goswin Grote verliert 150 Pfund Grote[43], was darauf schließen lässt, dass er der in der ersten Quelle genannte Gesellschafter des Schiffes ist und ein gewisser Flemynge verliert durch den Überfall zehn Mark.[44]

  • Umgang der Geschädigten mit dem Überfall: Während sich in den englischen Quellen nichts zu beschriebenem Vorfall finden lässt, findet er in den hansischen Quellen durchaus Beachtung. Als erste Reaktion auf den Vorfall warnt der deutsche Kaufmann zu Brügge am 14. März 1379 die preussischen Städte auf Grund der Überfälle durch Engländer vor eben diesen.[45] Kurze Zeit später wird auf der Versammlung zu Marienburg am 17. April 1379 wegen der englischen Übergriffe beraten, dass man keine Pfundgeld mehr bezahlen will und auch der Abbruch des Verkehrs mit England in Betracht gezogen wird.[46] Im Januar des darauffolgenden Jahres überreichen die hansischen Kaufleute in England die Klageartikel der hanischen Gesandten, die sie 1379 aufgestellt hatten.[47] 1386 kommt es schließlich zu Verhandlungen mit England, nachdem erneut englische Übergriffe stattfanden. Hier wird nun allerdings nicht nur der neue Schaden in Klageartikeln und Berichterstattungen dargelegt, sondern auch der alte, weshalb der Überfall auf Sticker hier ebenfalls Beachtung findet.[48]

Status: Gewaltakteur

Fahrgemeinschaften: Seine Mitfahrer beim oben beschrieben Vorfall heißen Nickel Mertin und Jon Pynnewyn.[49]

Auftraggeber: unbekannt

Angaben zu Schiff und Besatzung: Beim Schiffstyp handelt es sich um eine Bardze[50]/Barge[51], welche in einer Quelle sogar als bewaffnet beschrieben wird.[52]

Sonstige Tätigkeiten: unbekannt

Sonstiges

Die Person Joh. Hoppe aus den Hanseakten aus England kann nicht eindeutig als dieselbe Person ausgemacht werden.

Weiterhin wurde in folgenden Quellen gesucht, aber nichts gefunden:

Verein für hansische Geschichte (Hrsg.): Hanserecesse. Abt. 1, Die Recesse und andere Akten der Hansetage: 1256-1430. Leipzig 1870-1897, Bd. 1, 3.

Höhlbaum, Konstantin / Kunze, Karl u.a. (Hrsg.): Hansisches Urkundenbuch, Halle (später München) 1876-1916, Bd. 2, 3, 7, 9, 10, 11.

Quellen

HR 1.2, Nr. 174.

HR 1.3, Nr. 122.

HR 1.3, Nr. 199.

HR 1.3, Nr. 202.

HR 1.4, Nr. 3.

HR 1.4, Nr. 619.

HUB, Bd. 1, Nr. 962.

HUB, Bd. 1, Nr. 1283.

HUB, Bd. 4, Nr. 672.

HUB, Bd. 5, Nr. 615

HUB, Bd. 5, Nr. 1053.

HUB, Bd. 6, Nr. 50.

HUB, Bd. 8, Nr. 574.

Friedlaender, Ernst (Hrsg.): Ostfriesisches Urkundenbuch. Bd. 1. Wiesbaden 1968-1975.

Kunze, Karl (Hrsg.): Hanseakten aus England: 1275-1412. Halle a. S. 1891.

Literatur


Einzelnachweise

  1. HR 1.2, Nr. 174.

  2. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  3. HR 1.2, Nr. 174.

  4. HR 1.2, Nr. 174.

  5. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  6. HR 1.2, Nr. 174.

  7. HR 1.3, Nr. 199.

  8. HR 1.3, Nr. 202.

  9. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  10. HUB, Bd. 1, Nr. 962.

  11. Friedlaender, Ernst (Hrsg.): Ostfriesisches Urkundenbuch. Bd. 1. Wiesbaden 1968-1975, Nr. 266, 314, 340, 341.

  12. Kunze, Karl (Hrsg.): Hanseakten aus England: 1275-1412. Halle a. S. 1891, Nr. 225.

  13. Kunze, Karl (Hrsg.): Hanseakten aus England: 1275-1412. Halle a. S. 1891, Nr. 230.

  14. Kunze, Karl (Hrsg.): Hanseakten aus England: 1275-1412. Halle a. S. 1891, Nr. 235.

  15. HR 1.4, Nr. 619.

  16. Kunze, Karl (Hrsg.): Hanseakten aus England: 1275-1412. Halle a. S. 1891, Nr. 25.

  17. HUB, Bd. 1, Nr. 1283.

  18. HR 1.4, Nr. 3.

  19. HUB, Bd. 5, Nr. 1053.

  20. HUB, Bd. 5, Nr. 615.

  21. HUB, Bd. 6, Nr. 50.

  22. HUB, Bd. 8, Nr. 574.

  23. HR 1.2 Nr. 174, HUB 4 Nr. 672 und HR 1.3 Nr. 122, 199, 202.

  24. HR 1.3, Nr. 122.

  25. HR 1.3, Nr. 202.

  26. HR 1.3, Nr. 122.

  27. HR 1.3, Nr. 202 und HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  28. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  29. HR 1.3, Nr. 122 und HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  30. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  31. HR 1.3, Nr. 199.

  32. HR 1.3, Nr. 202.

  33. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  34. HR 1.3, Nr. 202.

  35. HR 1.2 Nr. 174, HUB 4 Nr. 672 und HR 1.3 Nr. 122, 199, 202.

  36. HR 1.3, Nr. 122.

  37. HR 1.2, Nr. 174.

  38. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  39. HR 1.3, Nr. 202.

  40. HR 1.2, Nr. 174.

  41. HR 1.3, Nr. 122.

  42. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  43. HR 1.3, Nr. 199, 202.

  44. HR 1.3, Nr. 199.

  45. HR 1.3, Nr. 122.

  46. HR 1.2, Nr. 174.

  47. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  48. HR 1.3, Nr. 199. 202.

  49. HR 1.2, Nr. 174.

  50. HR 1.2, Nr. 174.

  51. HUB, Bd. 4, Nr. 672.

  52. HR 1.3, Nr. 202.


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