Tristram van Roye ist wahrscheinlich der Name eines französischen Gewaltakteurs, der im französisch-flämischen, beziehungsweise im englisch-schottischen Nordseeraum auftritt.
Leben
Namensvarianten: Tristram van Roye[1], Tristrome van Roye[2], Trisstrant van Roye[3]
Herkunft: Der Namenszusatz Tristram "van Roye" könnte für ein Herkunftsmerkmal stehen, demnach Tristram van Roye entweder aus Roye1, einer Gemeinde an der Somme stammen könnte oder aus Roye2, das im heutigen französischen Département Haute-Saône liegt und zu dieser Zeit der Freigrafschaft Burgund angehörte. Aufgrund der geographischen Nähe zum späteren Tätigkeitsgebiet Tristram van Royes kann als Herkunftsort Roye an der Somme als wahrscheinlicher angesehen werden, wobei die Gemeinde Roye im heutigen fanzösischen Département Haute-Saône als möglicher Herkunftsort nicht ausgeschlossen werden kann. Des Weiteren spricht für die Gemeinde Roye an der Somme als Herkunftsort eine scheinbare Verbindung Tristram van Royes zum französichen König und eine nicht nachweisbare Verbindung zur Freigrafschaft Burgund. (Vgl. Tätigkeiten: Auftraggeber)
Lebensdaten: Tritt nur in den Jahren 1385 und 1386 in Erscheinung.
Verwandtschaft: Unbekannt
Tätigkeitsgebiet: Sluis[4], Zwin[5], Schottland[6]
Tätigkeiten
Aktivitäten: Erstmals quellenkundig wird Tristram van Roye in den Verhandlungen zu Dordrecht und Antwerpen 1387. In diesem Zusammenhang klagt Arnd Jansson, dass Tristram van Roye ihm im Jahre 1386[7] 40 flämische Groschen bei Sluis weggenommen haben soll.[8][9] In der Antwort heißt es, dass Tristram van Roye ursprünglich ein Schiff mit englischer Ware verfolgt habe. Diesem soll Arnd Jansson eine französische Flagge gegeben haben, sodass es entkam.[10] Tristram, der sich von Arnd Jansson um sein Recht gebracht sah, nahm ihm 40 flämische Groschen ab und arrestierte ihn in Sluis.[11] Die Arrestierung wurde sehr wahrscheinlich im Auftrag des französischen Königs durchgeführt oder geschah zumindest mit dessen Erlaubnis, da dies sowohl die klagende Hanse als auch die antwortenden Flamen anführen.[12][13] Mit Bezug auf den geschichtlichen Kontext könnte sich der Vorfall im Rahmen des 100. Jährigen Krieges zwischen Frankreich und England und des vom französischen König verhängtem Handelsembargo ereignet haben. Diese Interpretation legt den Verdacht nahe, dass es sich bei Tristram van Roye um einen vom französischen König beauftragten Gewaltakteur handelt, der im Rahmen des Handelsembargos gegen England den englischen Warenfluss stören soll.
Ein weiteres Mal wird ein Trisstrant van Roye in einer preußischen Klageschrift aus dem Jahr 1389 im Zusammenhang mit einem Überfall auf die preußischen Händler Jacobe Witten, seine Kinder und Dyderike im Jahr 1385 erwähnt, wobei ein Schaden von 150 Nobel entsteht und letzterem auch körperliche Gewalt angetan wird.[14] Aufgrund der geringen Nachweisbarkeit der Namenskombination aus Tristram, beziehungsweise Trisstrant und dem Namenszusatz "van Roye", kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um ein und dieselbe Person handelt. Ein konkretes Tatmotiv für den Überfall auf die preußischen Händler ist nicht bekannt.
Auftraggeber: Wahrscheinlich der französische König (Karl VI)[15][16]
Fahrgemeinschaft: Im Zusammenhang mit der preußischen Klage werden Tristram van Roye, Jacob Relof und Sander aus Sluis als Hauptmänner einer Fahrgemeinschaft genannt.[17]
Status: Vermutlich Hauptmann eines Schiffs.[18]
Angaben zu Schiff und Mannschaft: Im Zusammenhang mit der preußischen Klage fuhr Tristram van Roye eine Bardze[19]. Weitere Angaben zur Mannschaft sind nicht bekannt.
Sonstiges
Nachgeprüft in:
HR 1.1 - HR 1.7; HUB 3 - HUB 6.
Asmussen, Georg: Die Lübecker Flandernfahrer in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (1358-1408). Frankfurt am Main und andere. 1999.
Quellen
Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430. Band 2. Leipzig 1872.
Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430. Band 3. Leipzig 1875.
Literatur
Asmussen, Georg: Die Lübecker Flandernfahrer in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (1358-1408). Frankfurt am Main und andere. 1999.
Einzelnachweise
↑
HR 1.2; 343 §25
↑
HR 1.2; 344 §20
↑
HR 1.3; 448 §19
↑
HR 1.2; 343 §25
↑
HR 1.2; 344 §20
↑
HR 1.3; 448 §19
↑
HR 1.2; 343 §26
↑
HR 1.2; 343 §25
↑
Asmussen (1999), S. 414
↑
HR 1.2; 344 §20
↑
HR 1.2; 345 §16
↑
HR 1.2; 343 §26
↑
HR 1.2; 344 §21
↑
HR 1.3; 448 §19
↑
HR 1.2; 343 §26
↑
HR 1.2; 344 §21
↑
HR 1.3; 448 §19
↑
HR 1.3; 448 §19
↑
HR 1.3; 448 §19
