Heinrich Witte war der Sohn des gleichnamigen Rostocker Ratsherren und geriet am 14. Oktober 1427 in Gefangenschaft als Wismarer und Rostocker Auslieger "Wismarer und Rostocker Auslieger in preußischer Gefangenschaft (1428)") einen lübisch-preußischen Salztransport überfielen. Unruhen in Rostock führten 1428 zur Vertreibung des Stadtrats, einschließlich seines Vater, woraufhin Heinrich gemeinsam mit seinem Bruder Joachim die Verhängung der Reichsacht über Rostock erwirkte.
Historischer Hintergrund
1426 erklärte Danemark unter König Erik Schleswig den Krieg, um seine dortigen Ansprüche geltend zu machen. Von den Hansischen Städten Lübeck, Wismar, Hamburg, Lüneburg, Stralsund und Rostock, seit 1423 Verbündete Dänemarks, verlangte er Unterstützung beim Waffengang. Allerdings sahen die Hansischen Städte in einem Machtzuwachs Dänemarks ihre eigenen Interessen gefährdet und wendeten sich gegen Dänemark um die Souveränität Schleswigs zu erhalten. Ein Gefecht im Öresund endete für die hanseatischen Städte in einer Katastrophe, da ein Großteil der sogenannten Baienflotte (Salzhandel mit Frankreich) verloren ging. Im Zuge dessen machten sich erhebliche Unruhen in den Städten breit, welche von Erik durch offene Briefe über den Bündnisbruch noch verschärft wurden. Der Verlust der Baienfahrer führte im Nord- und Ostseeraum zu einem starken Anstieg der Salzpreise. Trotz der Unruhen mobilisierten die Städte Wismar und Rostock Kaperfahrer unter der Bedingung, dass die aufgebrachten Waren straffrei in die Städte gebracht und dort veräußert werden sollten. Am 14. Oktober 1427 kommandierte Heinrich Witte ein Rostocker Schiff, welches gemeinsam mit zwei weiteren Schiffen aus Wismar einen Salztransport von Lüneburg nach Danzig überfallen sollte. Jedoch missglückte der Angriff, woraufhin die beteiligten Personen in Danziger Gefangenschaft gerieten.
1428 erreichten die Unruhen in Rostock mit der Vertreibung des Stadtrates ihren Hohepunkt. Unter den Vetriebenen befand sich auch Heinrich Wittes Vater, ebenfalls Heinrich genannt. 1431 ersuchten Heinrich (Sohn) und sein Bruder Joachim den kaiserlich Hof von Sigismund und erwirkten die Verhängung der Reichsacht über Rostock mit dem Ziel, den Stadtrat wieder einzusetzten. Jedoch weigerte sich die Stadt dem Folge zu leisten. erst 1442 wurde die Reichsacht wieder aufgehoben.
Leben
Namensvarianten: Heinrich Witte, Hinrich Witte, Hinric Wytte, Henrich Wyt
Lebensdaten: Ende 14. und 15. Jahrhundert
Herkunft: Rostock
Tätigkeitsgebiet: Sohn eines Rostocker Ratsherren, Hauptmann eines Kaperschiffs
Verwandtschaft: Anna Witte (Mutter), Heinrich Witte (Vater), Joachim Witte (Brüder), Heinrich Witte (Neffe und Sohn von Joachim)
Tätigkeiten
Aktivitäten als Gewaltakteur: Versuchter Überfall eines Schiffes von Lübeck nach Danzig am 14. Oktober 1428 und anschließende Gefangenschaft in Danzig bis zur Freilassung.
Status: Gefangen und Freigelassen. Inzwischen verstorben.
Fahrgemeinschaften: Klaus Schroder, Peter Bardes, Hans Harneborch, Hans Sak, Hans Deterdes, Klaus Ghylouwe, Bernd Worpel, Hinrich Steenborch, Hermann Glambeke, Peter Bertoldes, Ratke Kymar, Tymme Ladekop, Hinrich Vrome, Klaus Kupke, Jakop Ritzenowe und Hans Volker.
Auftraggeber:Stadtrat Rostock und Stadtrat Wismar
Geschädigte:
Angaben zu Schiff und Besatzung:
Sonstige Tätigkeiten:
- HR Abt. I. Bd. 8 Nr. 949: Am 10. März 1392 nimmt Hinric Witte (Vater) als Ratsmann zu Rostock an einem Münzrecess in Lübeck teil.
- HR Abt. II. Bd. 1 Nr. 492 § 15: Henrich Wyt verkündet der Stadt Rostock die Verhängung der kaiserlichen Reichsacht.
- HR Abt. II. Bd. 1 Nr. 540: Am 17.3. 1436 wendet sich die Frau und Witwe von Heinrich Witte (Vater), Anna Witte, per Brief an die Stadt Rostock und bittet darum das Vermögen ihres Mannes an sich und ihre Kindern freizugeben. Im Gegenzug verspricht sie die Stadt von ihrer Schuld freizusprechen.
- HR Abt. II. Bd. 1. Nr. 493: Heinrich Witte ermahnt die preußischen Städte sich an die Reichsacht zu halten.
- HR Abt. II. Bd. 1. Nr. 494: Danzig bestättigt Heinrichs Ansinnen.
- HR Abt. II. Bd. 1. Nr. 428: Heinrich und Joachim Witte, die beim Kaiser die Reichsacht erwirkt haben, fordern am 12. Juli 1435 ihr Hab und Gut von der Stadt Rostock ein.
- HR Abt. II. Bd. 2 Nr. 186: Im April 1438 beschweren sich die aus Rostock vertriebenen Ratsherren über die ungenügende Einhaltung der von den Gebrüdern Witte erwirkten Reichsacht.
- Stadtarchiv Rostock 1.0.3.-U 630 Kloster Marienehe: Am 12.12.1463 wird Heinrich Witte, Sohn von Joachim Witte, als Hofkaplan Heinrich IV. von Mecklenburg erwähnt.
Dokumentation der Recherche
Ohne Ergebnis gesucht in:
HR Abt. I. Bd. 7
HR Abt. II. Bd. 3
Sonstiges
Quellen
HR Abt. I. Bd. 8
HR Abt. II. Bd. 1
HR Abt. II. Bd. 2
Stadtarchiv Rostock 1.0.1.-U 1c 1431. Oktober 15
Stadtarchiv Rostock 1.0.1.-U1c 1434 Juni 18
Stadtarchiv Rostock 1.0.1.-U1g 1443 Dezember 11
Stadtarchiv Rostock 1.0.1.-U1g 1445 Januar 2
Stadtarchiv Rostock 1.0.1-U1g 1445 Juni 22
Stadtarchiv Rostock 1.0.3-U 630 Kloster Marienehe 1463 Dezember 12
Literatur
Clarus, Nikolai, Bartholomäus Voet und die Freibeuter der Hansezeit, Hamburg 2012.
