Hinrik Vrome wurde beschuldigt, in den Jahren 1427 bis 1433 im Auftrag der Hansestädte, Güter und Schiffe der preußischen Ordensuntertanen an sich genommen zu haben. Der zugefügte Schaden wurde im „Verzeichniss der preussischen Unterthanen durch die Auslieger der Hansestädte zugefügten Schäden“ [1] aufgelistet und am 17. März 1436 in der Versammlung zu Lübeck vorgetragen.
**Historischer Kontext:**1412 starb Margarethe von Dänemark. Ihr Nachfolger wurde ihr Großneffe Erich von Pommern. Dieser wollte das Herzogtum Holstein in sein Reich eingliedern, da er einen Erbanspruch auf das Land besaß. Die hansische Städtegemeinschaft war an einer Realisierung dieser Eingliederung nicht interessiert. Ab 1426 sollten die hansischen Kaufleute wieder den Sundzoll im Öresund bezahlen. Es kam zu einer bis 1435 anhaltenden Auseinandersetzung zwischen der hansischen Städtegemeinschaft und der Kalmarer Union. Am 21. Juli 1426 griff Erich I. von Pommern Schleswig an. Dieser Angriff richtete sich vor allem gegen die Interessen des wendischen Städtebundes (Lübeck, Kiel, Wismar, Rostock und Stralsund). Sie sahen die Handelswege zwischen dem Ostsee- und Nordseegebiet gefährdet. Erich I. von Pommern führte einen Seekrieg. Die wendischen Städte mussten viele Verluste verkraften. Sie forderten vergeblich andere hansische Städtegruppen zur Hilfeleistung auf. Der Preußische Städtebund unterstützte die wendischen Städte nicht, aufgrund von Uneinigkeiten und Konflikten innerhalb der hansischen Städtegemeinschaft. Zudem schloss der Deutsche Orden, dem der Preußische Städtebund untertan war, einen Waffenstillstand mit Erich I. von Pommern. Der Öresund wurde für die preußischen Untertanen freigegeben. Daraufhin nahmen die wendischen Kaufleute aus Lübeck, Stralsund, Rostock und Wismar zwischen 1427 bis 1433 Güter und Schiffe an sich, die den preußischen Ordensuntertanen gehörten (Schadensauflistung in HR II.1, Nr. 543).[2][3][4]
Leben
Namensvarianten: Hinrich/Hinrik/Heinrich Vrome
Lebensdaten: namentliche Erwähnung am 8. August 1428[5], vermutlich geboren und gestorben zwischen 1390-1480
Herkunft: Rostock[6], in HR II.1, Nr. 543 §37 wird der Zusatz "dat namen die van Rostocke" angegeben[7]
Tätigkeitsgebiet: Ostseeraum zwischen Dänemark und den wendischen Städten
Verwandtschaft: unbekannt
Tätigkeiten
Aktivitäten als Fehdehelfer:
- Hinrik Vrome war ein Fehdehelfer, der im Auftrag der wendischen Städte im Krieg zwischen dem Herzogtum Holstein und Dänemark ("Dänisch-Hanseatischer Krieg" 1426-1435) kämpfte.
- Hinrik Vrome wurde vorgeworfen, dass er mit seiner Fahrgemeinschaft am 8. August 1428 ein Schiff (im Wert von 60 Pfund) mit den darin befindlichen Gütern und Lebensmitteln (im Wert von 260 Pfund) an sich genommen hatte, welches dem Preußen Hans Lagendorpp gehörte.[8]
Status: einer der "hovetlute"[9], vermutlich einer der Hauptmänner der Kaperfahrt
Fahrgemeinschaften: Claus Grevesmoele, Hinrik Vrome, Hans Stoerbeke, Peter Michels, Hans Peterssen, Claus Molner, Hinrick Sandaw, Johann van Moers, Ressouw, Prange, Kortumme [10] Hans Volker, Peter Bardes, Peter Bertoldes, Hans Sak, Hans Deterdes, Klaus Ghylouwe, Bernd Worpel, Hinrich Steenborch, Hermann Glambeke, Ratke Kymar, Tymme Ladekop, Hans Horneborch, Jakob Ritzenowe, Klaus Schroder und Hinrich Witte. 13
Auftraggeber: Hansestädte, vermutlich der Wendische Städtebund[11]
Angaben zu Schiff und Besatzung: ein Reeder war Claus Molner ("Claus Molner mit der Holsten snicken"[12]), es waren vermutlich mehrere Schiffe mit mehreren Hauptmännern, keine weitere Erläuterung zum Schiff oder der Besatzung
Sonstige Tätigkeiten: unbekannt
Sonstiges
Namensähnlichkeiten zu Hinrik Vrome bestehen in folgenden Urkundenbüchern:
Es handelt sich um dieselbe Person:
- HR I.8 Nr. 400: Hinrich Vrome; Bürger in Rostock; Im Rahmen eines Überfalls Wismarer und Rostocker Schiffer auf einen lübisch-preußischen Salztransport "Wismarer und Rostocker Auslieger in preußischer Gefangenschaft (1428)") gerät Hinrich Vrome in Danziger Gefangenschaft. Rostock bestätigte, dass Hinrich Vrome ein Auslieger sei und dass ihm die Meidung von Strömen und Hafen des Ordens so genau nicht vorgeschrieben wurde, Rostock bittet, dass man gnadig sei, und gelobt, wie die Auslieger ihm gelobt haben, fur Hinrich Witte und dessen Gesellen eine wahre Urfehde und Burgschaft fur allen Schaden, der dem Hochmeister und dem ganzen Orden von Hinrich Witte, dessen Gesellen und ihren Verwandten entstehen sollte; erwähnt 1428
Es handelt sich vermutlich um dieselbe Person:
- HUB 7 Nr. 478 und Nr. 572: Hinrik Vrome; Schiffer; erwähnt 1439 und 1440
- Stadtarchiv Rostock 1.0.1 U 1: Hinrich Vrome wird in einer Urkunde vom 12. März 1356 als Pfarrer am St. Nikolai zu Lübeck quellenkundlich.
Es werden mehrere Personen mit Namenähnlichkeit genannt, die mit Hinrik Vrome verwandt sein könnten. Jedoch ist eine eindeutige Verwandtschaft mit dem hier erwähnten Gewaltakteur in keinem Fall möglich:
- MUB 20 Nr. 11741: Peter Vrome in Rostock; erwähnt 1385
- LUB 4 Nr. 657 und Nr. 674: Gereke und Johann Vrome; Bernsteindreher in Lübeck; erwähnt 1397,1398
- LUB 5: Claus Vrome; Bürger in Lübeck; erwähnt 1416
- LUB 6: Johann Vrome; Bürger in Lübeck; erwähnt 1422
- LUB 7 Nr. 565: Hans Vrome; Bürger in Lübeck; erwähnt 1434
- LUB 7 Nr. 806: Hermann Vrome; Ratsmann in Wismar; erwähnt 1439
- LUB 7 Nr. 488: Hermann Vrome; Bürger in Lübeck; erwähnt 1432
- LUB 7 Nr. 370: Martin Vrome; Bürger in Lübeck; erwähnt 1429
- LUB 8 Nr. 44: Hermann Vrome; Ratsmann in Wismar; erwähnt 1441
- LUB 8 Nr. 12 und Nr. 40: Hermann Vrome; Bürger in Lübeck; erwähnt 1441
- LUB 8 Nr. 460: Ludeke Vrome; Maurer in Lübeck; erwähnt 1464
- LUB 10 Nr. 450: Ludeke Vrome; Maurer; erwähnt 1464
Hinweis:
- Die Person Hermann Vrome in LUB 7 Nr. 806 und LUB 8 Nr. 44 scheint identisch zu sein.
- Die Person Hermann Vrome in LUB 7 Nr. 488 und LUB 8 Nr. 12, 40 scheint identisch zu sein.
- Die Person Ludeke Vrome in LUB 8 Nr. 460 und LUB 10 Nr. 450 scheint identisch zu sein.
Ohne Ergebnis blieb die Recherche in:
HR I, 1.1-1.7
HR II, 2.2-2.7
HR III, 3.1-3.7
HUB Bd. 1-6, 8-11
LUB Bd. 1-3, 9, 11
PrUB Bd. 1-6
MUB Bd. 1-19, 21-25
Pommersches UB Bd. 1-11
Ostfriesisches UB Bd. 1-3
Stralsunder Verfestungsbuch
Quellen
HR II.1, Nr. 543, S. 476-484.
HR II.1, Nr. 543 §37, S. 481.
Stadtarchiv Rostock 1.0.1-U 1.
Literatur
Arnold, Udo: Preußen und die Hanse, in: Jörgen Bracker (Hrsg.): Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, Bd. 1, Hamburg 1989, S. 100-102, hier S. 100.
Dollinger, Philippe: Die Hanse, Stuttgart 1966. > Wendischer Städtebund
Hoffmann, Erich: Die skandinavischen Reiche und der Zusammenbruch der lübisch-hansischen Ostseepolitik, in: Jörgen Bracker (Hrsg.): Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, Bd. 1, Hamburg 1989, S. 94-99, hier S. 96, 99.
Puhle, Matthias: Innere Spannungen. Sonderbünde. Druck und Bedrohung von außen, in: Jörgen Bracker (Hrsg.): Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, Bd. 1, Hamburg 1989, S. 86-93, hier S. 86-87.
Clarus, Nikolai, Bartholomäus Voet und die Freibeuter der Hansezeit. Untersuchung zum Kaperwesen im Nordeuropa des frühen 15. Jahrhunderts, Hamburg 2012.
Einzelnachweise
↑
HR II.1, Nr. 543, S. 476-484.
↑
Arnold, Preußen und die Hanse, S. 100.
↑
Hoffmann, Die skandinavischen Reiche und der Zusammenbruch der lübisch-hansischen Ostseepolitik, S. 96, 99.
↑
Puhle, Innere Spannungen. Sonderbünde. Druck und Bedrohung von außen, S. 86-87.
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HR II.1, Nr. 543 §37, S. 481.
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HR II.1, Registereintrag, S. 568.
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HR II.1, Nr. 543 §37, S. 481.
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HR II.1, Nr. 543 §37, S. 481.
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HR II.1, Nr. 543 §37, S. 481.
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HR II.1, Nr. 543 §37, S. 481.
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entstand 1259 zwischen Lübeck, Kiel, Wismar, Rostock und Stralsund / verstärkt wurde er durch Hamburg, Lüneburg, sowie später durch Greifswald, Stettin und Anklam > Wendischer Städtebund sollte für die hansische Städtegemeinschaft politisch und militärisch aktiv sein (Dollinger, Hanse, 1966.)
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HR II.1, Nr. 543 §37, S. 481.
13 HR I. 8. Nr. 400